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IN MEMORIAM - Augusto Gansser (* 28.10.1910 - † 09.01. 2012 )

Die letzte Reise des "Vaters vom Himalaya"

  

Der Schweizer Himalaya-Pionier Augusto Gansser ist am 9. Januar im Alter von 101 Jahren gestorben. Als einer der ersten Geologen hat er die geheimnisvollen Regionen Tibets und Bhutans erforscht.


Geolog, Kartograf, Forscher, Alpinist, Wissenschafter, Professor und Fotograf: Augusto Gasser, der kürzlich in Lugano gestorben ist, erfüllte fast jeden Moment seines Lebens mit Leidenschaft.
Zusammen mit Jacques Piccard oder Nicolas Bouvier gehört Gansser zu jenen Schweizer Reisenden und Abenteurern, die im 20. Jahrhundert die Schweiz international bekannt gemacht haben. Und vor allem auch die Welt in die Schweiz getragen haben.
"Er liebte das Abenteuer, die Natur und die Berge. Er entdeckte Berge, von denen man noch gar nichts wusste", sagt einer seiner sechs Söhne, Luca Gansser, gegenüber swissinfo.ch. In Grönland gebe es einen Berg, der Lugano heisse, und in Kolumbien einen Picco Toti - dem Namen von Ganssers Ehefrau.  
Oft habe sein Vater gesagt, er fühle sich "als Gefangener seines eigenen Körpers", sagt Luca Gansser .
"Verraten" von den blauen Augen
 
1910 in Mailand als Sohn eines Schweizer Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Augusto Gansser an der Universität Zürich Geologie.
Noch vor Ende seines Doktorats liess er sich von einem Abenteuer mitreissen und nahm an einer Expedition nach Grönland teil. "Sie reisten mit einem Dreimaster und blieben einige Monate im Eis stecken", erzählt Luca.
 1936 unternahm der junge Forscher jene Reise, die ihn bekannt gemacht hat, nämlich die erste Schweizer Geologen-Expedition in den Himalaya. Schon bald jedoch löste er sich von der Gruppe und erkundete die Grenzregion zwischen Indien und Tibet auf eigene Faust. 
"Er war einer der ersten Ausländer, die den Tibet betraten", erinnert sich Luca. "Er musste illegal einreisen und verkleidete sich als buddhistischer Pilger." Damals war Tibet ein britisches Protektorat und Ausländern unter Todesstrafe verboten. 
"Das einzige, was ich nicht verbergen konnte", erzählte Augusto in einem Interview mit dem Corriere del Ticino, "waren meine blauen Augen. "Aber unter meinem Pilgermantel versteckte ich tausend Dinge: Hammer, Zirkel, Kompass..."  


"Baba Himalaya"

Während dieser Himalaya-Expedition am 6638 Meter hohen Mount Kailash machte Augusto eine seiner wichtigsten Entdeckungen. Am Fuss dieses heiligen Berges entdeckte er die geologische Nahtstelle zwischen der Indischen und der Eurasischen Platte. 
Augusto Gansser sei einer der ersten Schweizer gewesen, die sich mit den tektonischen Platten befasst haben, sagt Jean-Pierre Burg vom Geologieinstitut an der ETH Zürich. "Sein Fund und sein Pionierwerk am Himalaya dürften ihn wohl verewigt haben." 
Gansser schrieb zahlreiche Werke über die Entstehung der Berge, der Landschaften und der Bevölkerung der Himalaya-Regionen. 1964 publizierte er "Geology of the Himalayas" - ein Standardwerk der Geologie.
Dank diesem Beitrag hat ihm die pakistanische Universität Peschawar 1983 den Ehrennamen "Baba Himalaya", Vater des Himalaya, verliehen. Seine Forschungarbeit bescherte ihm auch die Freundschaft des damaligen tibetischen Herrschers Jigme Dorij Wangchuck, um die ihn viele beneideten.


In Persiens Ölfeldern

Ausser im Himalaya forschte Gansser in zahlreichen anderen Regionen der Welt, vom Mittleren Osten bis Lateinamerika.
In Kolumbien arbeitete er für den Ölmulti Shell. Seine Ehefrau half ihm, geologisches Kartenmaterial zu erstellen. In den 1950er-Jahren fand man ihn am Hof des Schahs von Persien. Dieser ernannte ihn zum Chefgeologen der staatlichen iranischen Erdölgesellschaft.
1956 endete eine seiner Entdeckungen in einer Katastrophe. Während einer Bohrung kam es zu einem plötzlichen Anstieg des Rohrdrucks. Millionen von Tonnen Rohöl flossen aus und brachten die Natur aus dem Gleichgewicht.  
Gansser war entsetzt vom Anblick "so vieler Wasservögel, die sich auf der Oberfläche der Ölseen niederliessen, weil sie dachten, es handle sich um Wasser", wie er gegenüber dem Corriere del Ticino erzählte.  
Um die Katastrophe einzudämmen, beschlossen die Ingenieure, das Rohöl abzuleiten und anzuzünden. "Es handelte sich um den grössten je von Menschenhand ausgelösten Brand", erinnert sich Gansser. 


Elixier für ein langes Leben

Protagonist einer Zeit, als die Wissenschaft noch mit der Faszination für unbekannte Länder verschmolz, ist Gansser diesen Januar unbemerkt von der Öffentlichkeit am Ende seiner Reise angelangt.
Eine Reise, die über ein Jahrhundert gedauert hat, und die sich vielleicht mit einer Anekdote erklären lässt, die Gansser selber erzählt hat: "Beim Berg Kailash schenkte mir der Lama des Klosters, in dem ich abgestiegen war, Pillen für eine langes Leben. Ich bin ihm heute noch dankbar dafür, denn offenbar haben sie ja bestens gewirkt..."

 

Quelle: swissinfo / Luigi Jorio, swissinfo.ch / (Übertragung aus dem Italienischen: Alexander Künzler)

Ursula Markus / Augusto Gansser - Geologe und Forscher im Himalaya

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Augusto Gansser Geologe und Forscher im Himalaya

Augusto Gansser
Geologe und Forscher im Himalaya

Ursula Markus / 160 Seiten, 147 Abb. Duoton 24 x 30 cm, mit einem Vorwort von "Bulle" Prof.Dr. Oswald Oelz / Ln. mit SU / Hardcover / 2.Auflage: 2010


Als Geologe und Forscher auf den Spuren der Geschichte der Erde  -  Grönland, 1934. Zu einer Zeit, als das Eis noch ewig war und von der sich anbahnenden Klimaerwärmung noch gar nicht die Rede war, nahm der kaum zwanzigjährige Augusto an seiner ersten Expedition teil: der Erkundung der Arktis zusammen mit dem berühmten dänischen Geologen und Forscher Lauge Koch. Zwei Jahre später begleitete Gansser Arnold Heim, seinen Professor, auf eine bedeutende geologische Expedition in den noch kaum bekannten Himalaya. Durch Täler, über Gipfel und Gletscher drangen sie in die entferntesten Winkel im Norden des Bundesstaates Uttaranchal ein, bis in die Nähe des heiligen Berges Kailash in Tibet, zu dem ausländische Forscher damals keinen Zutritt hatten. Er war der erste Geologe, der das Gebiet um den Mount Kailash erforschte. Als Pilger im Dienste der Forschung und absonderlicher Hirte überquerte er die Grenze mit einer Sammlung von heiligen Steinen und geologischen Fundstücken mit einem unschätzbaren wissen- schaftlichen Wert.

  • Als Geologe und Forscher lebte er acht Jahre in Kolumbien, drei Jahre in Trinidad und sieben Jahre im Iran. Nach der Professur für Geologie 1958 setzte er seine Forschungen in Ladakh, Nepal und vor allem in Bhutan fort. 1980 und 1985 wurde Gansser von Deng Xiao Ping für eine geologische Traverse durch Tibet eingeladen. Ursula Markus hat ihren Vater Augusto Gansser auf vielen Reisen begleitet. Als Herausgeberin recherchiert sie das immense Bildmaterial für das Buch, und die bekannte Journalisten Ursula Eichenberger schildert das bewegte Leben von Gansser. «Die Schweizer Geologen Augusto Gansser und Toni Hagen lieferten umfassende Übersichten des Himalaya, die bis heute grundlegende Studien der regionalen Geologie darstellen.»